Wir haben Gesichter und Geschichten

Ein Gedicht über all die Gesichter, die mit ihren Geschichten für uns unsichtbar bleiben. Ein Plädoyer hinzusschauen und zuzuhören!

 

Alles fällt

Und dann dreht sich der Kopf

Und du stehst

Direkt hinter dir

Und schaust zu

Was passiert

 

Ich komme die Tür rein

Ein Lächeln

Neben einem anderen

Lächeln

Sie mich an

Ich lächel zurück

Ich weiß

Es verstecken sich

So viele

 

Gesichter

Sie haben viele Gesichter

Keiner sieht sie

unsichtbar gesichter geschichten
Unsichtbar sein

Ich weiß

Es verstecken sich

So viele

 

Geschichten dahinter

So viele Geschichten

Keiner hört zu

 

Und egal ob es akzeptiert wird

Oder nicht

Sie bleiben immer

ein Teil von hier

 

Und ich komme

Jeden Tag

die Tür rein

Komme als Lehrerin

Und gehe als Schülerin raus

Irgendwann kenne ich mehr

Als bloße

Gesichter

Als bloße

Geschichten

Aus weiter Ferne

 

Irgendwann

Höre ich zwischen den Zeilen

Hör ich die Meilen der Arbeit

Die Meilen der Mühen

Hör die Wege voll Pflastersteine

Niemals ruhend

Hör das zischen

Hör das Schweißrunterlaufen

Hör das hetzen, hör das gehetzt werden

Hör das nie wieder nie sagende etwas Kraft tankende

Hör das sich selbst ewig aufopfernde, auf eine bessere Zukunft wartende, das alles neu aufbauende kaputt machende, kaputt gemachte Etwas

Hör das Weiterkämpfen und Kämpfen

Hör das Ertragen und hör das Denken, das scheinbare Lenken, das Verrenken, die eigene Träume ertränken, hör das Kämpfen

Hör die Freude, wenn Ziele greifbar sind

Hör das Greifen, wenn Kinder wachsen ohne das

Niemand sie verstehende Wesen zu sein.

Hoffentlich geht der Plan auf, hoffentlich waren die Mühen nicht umsonst, das ertragende Leiden nicht sinnlos, hoffentlich gehen Ängste fort

 

hoffentlich

 

hört jemand zu.

 

Hoffentlich kann jemand mich verstehen

Und wenn nicht mich, dann zumindest die nach mir

Die für die der Weg frei gekämpft wird

Hoffentlich kann mich jemand verstehen

Auch wenn die Sprachbarrieren zu groß, das Gesprochene zu gebrochen, das Zuhören anstrengend und die Kommunikation endlos schwierig,

Zuzuhören, wenn meine Geschichte meine ist, gebrochen, und schwierig, lang und nicht wertvoll genug für dich.

Und wenn du keine Zeit für meine Geschichten hast, kein Ohr für dies Gedichtete hast

 

hoffentlich

 

kann jemand sehen. Kann jemand sehen, ohne blind zu sein, sehen ohne Filter, ohne Brillengläser mit Schmutz.

Sehen, ohne auf Land zu beharren, ohne engstirniges Ergrauen, ohne Mauern, ohne rot-rot Schwäche, ohne Augenbinde vor den Augen.

Hoffentlich nur einmal mit Vertrauen, ohne Vergleiche, ohne Scheu, ohne „die sind aber“, ohne „wir sind besser“, ohne Schwarzweißmalerei.

 

Und wenn Stärke

Alles wäre

Wären Sie alles

 

Und wenn Stärke

nicht abhängig wäre von Profit

sondern abhängig vom Willen zu leben

wären sie alles

für dieses Land

für dieses Leben

 

Und wenn Stärke verstanden werden würde,

Wäre die Frage nicht, woher man kommt oder wo man ist,

sondern wohin man gelangen will.

Das wirklich Entscheidende

Der wirkliche Kampf

Zwischen

Träumen und Zukunftswünsche für die Kinder

Denen sie sich versprochen haben

Für die sie ihre Seele verkaufen

Immer und immer wieder

 

Und wenn ich Stärke definieren würde

Würdest du wieder einen Widerspruch darin sehen

Wie kann es Widersprüchlich sein

Wenn Sie existieren

Nein, dann musst du ein Widerspruch sein

Denn in deinem Kopf

Könnten sie so nicht existieren

Aber sie leben.

 

Denn

Auch wenn du sie nicht siehst

Heißt das nicht

Dass sie nicht existieren

 

Auch wenn du nicht zuhörst

Heißt das nicht

Dass sie nichts sagen

 

Und auch wenn du es nicht akzeptieren willst

Heißt das nicht

Dass sie nicht ein Teil von hier sind

 

Die kleinen Blumen hinter den Mauern

Die wir nicht überwinden können

Nicht übertreten

Und nie sehen

Wie sie wachsen

Doch sie tragen

Samen

Die bleiben.

 

Wir haben Gesichter

Auch wenn keiner uns anguckt

 

Wir haben Geschichten

Auch wenn keiner uns zuhört

 

Und egal ob es akzeptiert wird

Oder nicht

Wir bleiben immer ein Teil

von hier

 

 

Und wenn ich Stärke definieren würde

Würdest du einen Widerspruch darin sehen

Wie kann es widersprüchlich sein

Wenn ich existiere

Nein, dann musst du ein Widerspruch sein

Denn in deinem Kopf

Kann ich so nicht existieren

Aber,

ich lebe.

BildCharline Tetiyevsk CC