Mashrou’ Leila

Zur Zeit erlebt der Libanon seinen arabischen Frühling. Mit dabei sind Mashrou’ Leila, die sich immer mit ihrer Musik für Menschenrechte eingesetzt, und sich in den letzten Jahren international einen Namen gemacht haben. Auch weil sie ganz offen Homosexuelle und Transgender unterstützen, was im Nahen Osten immer noch ein Tabu-Thema ist.

 

 


Ich befinde mich in der Philharmonie in Köln. Die Stimmung ist euphorisch und laut. Ich lausche einem Paar, das neben mir Platz genommen hat. Sie unterhalten sich auf Arabisch. Ihr Gespräch erinnert mich, an die Konversation in Marokko mit meiner Familie. Für eine Sekunde fühle ich mich wieder zurückversetzt in den Norden Afrikas. Die Räumlichkeit wirkt wie ein Amphitheater. Ich sitze direkt neben dem Podium. Plötzlich ertönt eine wundervolle Stimme und Mashrou´Leila betreten die Bühne.
Der Leadsänger Hamed Sinno zieht das Publikum förmlich in seinen Bann. Seine Stimme, harmoniert vollkommen mit der Geige von seinem Bandkollegen Haig Papazians. Neben Hamed Sinno als Sänger und Haig Papazian an der Geige, spielen Carl Gerges am Schlagzeug, Feras Abou Fakher an der Gitarre und Ibrahim Badr am Bass. Gefunden hat sich die Band an der American University of Beirut.

International ist die Band nicht mehr wegzudenken. Aufgrund ihrer Unterstützung für LGBTQ-, Frauen- und Menschenrechte erhielten sie jedoch mehr Aufmerksamkeit für ihre politische Haltung als für ihre Musik. Vor allem weil Hamed Sinno, auch sich selbst als „queer“ geoutet hat.

 

Die arabische Welt hat nicht viele solcher Rockhelden.

 

Die Songs von Mashrou’ Leila handeln von der Unterdrückung der Redefreiheit in ihrem (Heimat-)Land, die für die fünf Jungs eine extreme Ungerechtigkeit darstellt. Leider waren Mashrou’ Leila im Fokus von christlichen Aktivisten des rechten Flügels von Byblos. Die kritisierten die Band, ihre Songs seien “beleidigend für religiöse und humanitäre Werte, sowie christliche Überzeugungen“. Die religiösen Hardliner forderten die Organisatoren des Byblos International Festival auf, die Veranstaltung abzusagen. Dies löste dann einen Shitstorm in den sozialen Netzwerken gegen die Musiker aus. Es gab sogar Androhungen von Gewalt sollte das Konzert stattfinden.

 

 

Das BybloS International Festival

 

Das Byblos International Festival ist eines der größten und bekanntesten Musikfestivals im Libanon.
Lynn Maalouf, Expertin der Amnesty International Forschungsdirektion Ost, äußerte sich dazu wie folgt: „Die Behörden, hauptsächlich das Innenministerium, sind dafür verantwortlich, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um sicherzustellen, dass die Band vor dieser boshaften Kampagne geschützt ist und dass das Konzert nicht aus Sicherheitsgründen abgesagt wird.“ Für den eigentlichen Aufruhr aber sorgen ihre Texte, die von der alltäglichen, (übergriffigen) Staatsgewalt, tödlichen Schießereien und Beiruts queeren Clubkultur handeln.

Laut CNN mussten sich Mashrou´ Leila öffentlich dazu äußern, sie sagten, dass ihre Songs falsch interpretiert worden sind: “Wir waren schockiert über das Ausmaß der Anschuldigungen und die Veränderung der Bedeutung der Texte”, erklärte die Band. “Die systematische Kampagne gegen uns hat das Ausmaß von Bedrohungen und Blutvergießen erreicht.“ Nach Angaben der nationalen Nachrichtenagentur des Libanons wurden Mashrou´ Leila vom
Fehlverhalten befreit. Die Drohungen gegen die Band hielten jedoch an und lösten international Empörung aus.

Ich habe nicht vor, deine Lügen zu schlucken. Die Worte werden meine Kehle verbrennen. Ich habe nicht vor, Ihre Absichten zu zerlegen. Halte deine Zunge im Käfig.

Mit dem Song „Roman“ will Mashrou ‘Leila arabische und muslimische Frauen die Opfer von Unterdrückung sind, anregen für ihre Rechte einzustehen.
Der Frontmann Hamed Sinno ist für die arabische LGBTQ- Gemeinschaft im Nahen Osten eine Stimme geworden. Sinno ist es wichtig, dass queere Teenager in seiner Region, jemanden sehen können, der so ist wie sie. Dass diese Person zu sich selbst und ihren Werten steht.

Mashrou´ Leila kämpfen weiterhin für Menschenrechte.

Es ist aufs Neue eine Interpretationssache, ob etwas in Liebe oder in Hass gesehen werden will.

 

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