Am 19. Februar 2023 jährt sich der rassistische Anschlag in Hanau zum dritten Mal. Viele von uns können sich noch ganz genau daran erinnern, wie sie von dem Anschlag erfuhren, der erste Schock zunächst Angst und Unsicherheit wich und zu der Wut wurde, die uns damals wie heute auf die Straßen treibt.

Das Buch „Texte nach Hanau“ von stolze augen.books bildet die Stimmen von 50 Menschen ab, die ihren Gefühlen und Gedanken, Enttäuschungen und Erwartungen nach dem Anschlag in Hanau poetisch und politisch zum Ausdruck bringen und in die Öffentlichkeit tragen wollen. Im Kontext des dritten Jahrestags veröffentlichen wir drei der insgesamt 63 Texte auf unserem Blog. Die vielen großartigen Texte und das Vorwort von Serpil Temiz Unvar könnt ihr gebündelt bei stolze augen.books bekommen.

 

Hanau

von Limo

 

Du kannst es schaffen, akzeptiert zu werden,

wenn du hart genug arbeitest.

Wenn du deinen Namen verdeutscht,

um aussprechbar zu sein,

wenn du Überstundend ankend annimst,

wenn du dich fragst,

wie du deinen Kinder ein gutes Leben

ermöglichen kannst,

wenn dein Rücken jeden Tag

von der Arbeit wehtut,

wenn du deine Finger nicht mehr

spüren kannst,

wenn du nicht weißt,

wann deine letzte Mahlzeit war

 

Du kannst es schaffen, akzeptiert zu werden,

wenn du hart genug arbeitest.

wenn du Tabletten nimmst,

wenn du anfängst, dich zu betäuben,

wenn du abends zu müde bist für alles,

 

Du kannst es schaffen, akzeptiert zu werden,

wenn du hart genug arbeitest.

Wenn du keine Zeit mehr für deine Kinder hast,

wenn ich dich als Kind immer nur in deiner Arbeitskleidung

gesehen habe

wenn du deine eigene Haut nicht mehr siehst

 

Du kannst es schaffen, akzeptiert zu werden,

wenn du hart genug arbeitest.

Wenn du dir dein Leben nicht aussuchen kannst,

sondern andere es für dich tun

wenn du viel mehr gibst,

als du jemals wiedererlangen wirst,

wenn du das weißt,

aber trotzdem weitermachst

 

Dann werden sie dich trotzdem

nicht akzeptieren,

dann stellen sie Fallen auf und

planen Attentate,

dann sprechen sie von Einzeltäter*innen

und klopfen dir auf die Schulter

 

Dann bauen sie Denkmäler,

um sich reinzuwaschen,

um alles wieder gut zu machen

 

Was ist wieder gut für wen?

 

Nichts für mich

Nichts für uns