Der Kampf für FLINT*-Personen beschränkt sich nicht nur auf den 08. März, er findet jeden Tag statt!

Fordert Geschlechternormen heraus

Empowert euch gegenseitig

Feiert Diversität

Zerstört Stereotypen

Lehnt das binäre Geschlechterbild ab

Mobilisiert euch und ergreift Maßnahmen!

 

„OUR* RIOTS OUR* VOICE“:

Die Frauen*kampftag-Demo an der Warschauerstraße fand, zusätzlich zu der regulären Demonstration am Leopoldplatz, statt. Hier versammelten sich ausschließlich Frauen, transsexuelle, intersexuelle und nicht-binäre Menschen (FLINT*). Cis-Männer waren nicht eingeladen. Warum? Weil es Räume für FLINT* bedarf, in denen sie und nur sie alleine sprechen können. Ohne sich rechtfertigen zu müssen, ohne unterbrochen oder unterschätzt zu werden.

Das hier ist unser* Streik und wir erheben unsere* Stimmen!

 

„Asamblea de mujeres! Bloque Latinamericano. Sembrando resistencia para cosechar libertad – Versammlung des lateinamerikanischen Blocks von Frauen. Wiederstand säen, um Freiheit zu ernten!“

Der derzeitige feministische Widerstand in Lateinamerika, darunter insbesondere in Chile und Mexiko, inspirieren Frauen*kampf-Bewegungen weltweit. Auch auf dieser Demo waren viele FLINT* lateinamerikanischer und spanischer Herkunft anwesend und nutzten ihre Stimmen, um auf die verheerenden sexistischen Zustände aufmerksam zu machen. „Ni una menos – Keine weniger“ und „Un violador en tu camino – Ein Vergewaltiger auf deinem Weg“ machten sich zu weltweit verbreiteten Parolen und wurden auch am Sonntag auf der Warschauerstraße häufig ausgerufen. Denn die Bedeutungen betreffen uns alle.

 

„Feminismus ohne Intersektionalität ist weiße Vorherrschaft.“

Wem der Begriff „White feminism/Weißer Feminsmus“ etwas sagt, hat dies vermutlich auch im Kontext von Intersektionalität gehört. Genau das fehlt dem weißen Feminismus nämlich: Eine Perspektive für jene Frauen und LGBTIQ*-Personen, an die man nicht zuerst denkt, wenn man „Feminismus“ im Gedächtnis aufruft. Menschen, die nicht weiß gelesen werden, Menschen, die nicht in die sexuellen und geschlechtlichen Normen reinpassen, sowie auch Menschen, die nicht den typischen Schönheitsnormen entsprechen. Der Feminismus muss intersektional denken und die Schnittstelle mehrere Diskriminierungsformen nicht nur im Blick behalten, sondern auch betonen. Eine wohlhabende Frau kämpft nicht denselben Kampf wie eine Frau aus prekären Lebensverhältnissen, genauso wenig wie eine weiße Frau nicht von derselben Alltagsdiskriminierung betroffen ist wie eine Frau of Color. Fehlt die intersektionale Perspektive, ist der Feminismus nicht mehr als ein Flügel der kapitalistischen, weiß-dominierten Gesellschaft.

 

„MY BODY MY CHOICE“

Diese Parole kann nicht oft genug wiederholt werden, so relevant und allgegenwärtig wie sie ist: Ob es nun um sexuelle Gewalt geht, Reproduktionsrechte oder das Recht sich so (un-)freizügig zu kleiden, wie man möchte. Mein Körper ist nicht deiner. Nicht der eines Mannes, der glaubt es sei sein Eigentum, nicht der von Politiker*innen, die meinen ihre Agenda auf Kosten meines Leibes durchsetzen zu können. Es ist meiner, also trage einzig und allein ich die vollständige Entscheidungsmacht darüber.

 

„Eine Frau ohne einen Mann, ist wie ein Fisch ohne ein Fahrrad“

 

„WE ARE BACK! TO RESIST!“

„Wir sind die Enkelinnen der Hexen, die ihr nicht verbrennen konntet!“, ist ein gängiger feministischer Spruch, welcher Bezug auf die Hexenverbrennung der frühen Neuzeit nimmt. Damals wurden vermeintliche Hexen (Menschen, davon überwiegend Frauen, welche verdächtigt wurden Zauberei zu praktizieren und einen Pakt mit dem Teufel eingegangen zu haben) angeklagt, gefoltert und anschließend getötet. Die Frauen, die als „Hexen“ galten, waren meist Frauen, welche zuvor einen angesehenen Status hatten: Sie stellten Medikamente her, konnten schreiben und lesen. Bis man realisierte, dass dies mit einer erhöhten Machtposition für das weibliche Geschlecht einherging und eine Bedrohung für das damalige, christlich geprägte Patriarchat darstellte. Es wird geschätzt, dass bis zu 60.000 Menschen im Zuge der Hexenverfolgung umgebracht worden sind. Ihren Höhepunkt hatte die Hexenverfolgung 1550-1650 – doch sie ist noch nicht überall vorbei.

Weitere Femizide im Rahmen der Hexenverfolgung haben noch nicht vollständig aufgehört, auch wenn sie in Europa abgeklungen sind. Die Vereinten Nationen schätzen, dass die Anzahl der Betroffenen, welche umgebracht werden jährlich noch vierstellige Zahlen erreichen.

 

„You’re not allowed to touch me without my consent“

Das Schild spricht bereits für sich: „Du darfst mich nicht ohne meine Zustimmung anfassen.“ Betonung auf „Darfst nicht“, „mich“ und „Zustimmung.“ Klarer kann man die Aussage nicht machen, dennoch kommt die Message nicht bei jedem an.

 

„Riots not diets“

Wie viele Frauen haben in Deutschland das Gefühl eine Diät machen zu müssen? Fast jede zweite Frau ist mit ihrem aktuellen Gewicht nicht zufrieden und möchte abnehmen. Der Gedanke mit dem eigenen Körper würde etwas nicht stimmen, man müsse es verändern damit man wieder wünschenswert für den Mann ist, beeinträchtigt die psychische Gesundheit von Frauen stark. Ob der Körper der Frau nun dem ,Ideal‘ entspricht oder nicht, spielt keine Rolle – denn das ,Ideal‘, ist ein verzerrtes Konzept, welches zum Einen ein soziales Konstrukt ist. Zum Anderen sich auch durchgehend wandelt und keine handfesten, kontinuierlichen Merkmale aufweist.

Egal wie Frau gebaut ist, so gut wie jede musste sich schon Kommentare zu ihrem eigenen Körper anhören, egal ob positive oder negative.

Beides hat nämlich keine Daseinsberechtigung – der Körper eines Menschen ist nicht dazu da, um ästhetischen Eindruck zu hinterlassen und es allen anderen somit recht zu machen. Der Sinn eines Körpers ist es, den Menschen am Leben zu erhalten und dem Menschen ein erfülltes Leben zu ermöglichen. Ungesunde Zwangs-Diäten gehören nicht dazu. Der Fokus sollte auf den ,Riots‘ liegen; darauf für den eigenen Körper zu demonstrieren, für die entsprechende Macht darüber, mit dem tun zu können was man möchte, ohne äußere Einflüsse und Eingriffe.

 

„Fight Female Genital Mutilation“

Die Genitalverstümmelung von Frauen ist ein Thema, welches trotz seiner grausamen und verheerenden Auswirkungen häufig ignoriert wird und auch innerhalb feministischer Kreise oftmals zu kurz kommt. Es bezeichnet die teilweise oder vollständige Beschädigung und Entfernung derer Geschlechtsorgane und verfolgt unterschiedliche Zwecke. Primärer Sinn ist es die ,Reinheit’ der Frau zu erhalten. Unter diesem Deckbegriff fallen verschiedene weitere Zwecke, welche die Genitalverstümmelung rechtfertigen sollen, wie zum Beispiel Traditionen, Ästhetik, sozialer Status und Wirtschaft, medizinische Mythen und sexuelle Vorlieben. Fakt ist, dass die Genitalverstümmelung der Frau als Instrument verwendet wird, um sie in ihrer sexuellen Freiheit zu unterdrücken und zu kontrollieren. Weltweit werden jährlich etwa drei Millionen Mädchen, meistens bevor sie ihr 15. Lebensjahr erreichen, „beschnitten“. Insgesamt wird davon ausgegangen, dass 200 Millionen Frauen, welche der entsetzlichen Praxis unterzogen worden sind, damit leben. Für diese 200 Millionen Frauen muss gekämpft werden, Genitalverstümmelung der Frau darf keine Sekunde länger stattfinden!

 

„Liebe ist… Frauensolidarität“

Wir kämpfen gemeinsam gegen die Frauen*feindlichkeit, gegen das Patriarchat und den blinden Hass mit dem wir konfrontiert werden… Und vergessen dabei meist, dass uns unzählige Gleichgesinnte solidarisch zur Seite stehen. Liebe ist viel mehr als das traditionelle Bild einer heteronormativen, romantischen Beziehung zwischen zwei Menschen. Es ist auch für andere zu kämpfen, die das gleiche Leid teilen wie du, es ist ihnen Respekt zu zollen, zur Seite zu stehen und sie, in dem was sie tun und was sie sind, zu unterstützen. Das ist Liebe.

„Tabulari Yikarim, Bulasiklara karismam“

… ist ein türkisches Wortspiel, und heißt so viel wie „ich wasche die Tabus weg, aber lasse das Geschirr stehen“. Dieser Satz spielt auf die weitverbreitete Rolle der typischen Hausfrau an, und dekonstruiert die Idee dessen. Anstatt meine typischen Aufgaben als Frau in der Küche zu erledigen, nutze ich meine Fähigkeiten lieber, um sie in mich selbst zu investieren und eure Tabus zu brechen!

 

„Wir machen’s besser“ Punkt.

 

„Feminismus ohne Grenzen – Refugees welcome!“

Der Feminismus gilt nicht nur jenen Frauen, die das Privileg haben hier bereits zu leben. Er gilt auch Frauen, die auf der Flucht sind vor Verfolgung, Krieg und miserablen Lebensverhältnissen. Diese starken Frauen verdienen es ebenso wie wir, ein sichereres Zuhause zu haben und nicht mehr in allgegenwärtiger Angst leben zu müssen. Wir müssen für die Abschaffung von Grenzen aufstehen, das betrifft sowohl nationale Grenzen und Abschottungspolitik, als auch selbstgesetzte ,Grenzen‘ innerhalb feministischer Kreise.

 

„Bitches of the world, unite!“

Oft genug wurden wir von anderen als Schlampen bezeichnet, aus verschiedenen Gründen, von welchen keiner es rechtfertigt eine Frau auf diese Art zu degradieren. Es wird Zeit, das Wort zurückzuerobern – Zeit, sich mit allen Schlampen der Welt zu vereinen, um zu demonstrieren, was wir gemeinsam erreichen können!

 

„We want to walk without fear!“ – Wir möchten ohne Angst durchs Leben gehen können!“
„La culpa no era mia!“ – Es war nicht meine Schuld!“

Wir haben genug davon uns für Taten, die uns widerfahren, rechtfertigen und erklären zu müssen. Es spielt keine Rolle, was Frau trug, es spielt keine Rolle, wie sie sich verhielt und wie sie sich gab, es spielt keine Rolle, welche vermeintlichen ,Anzeichen‘ sie machte. Wir tragen nicht die Schuld für das, was andere uns antun. Und das dürfen wir auch selbst nicht vergessen.

 

„Men should be glad women just want equality & not revenge – Männer sollten dankbar sein, dass Frauen nur Gleichberechtigung und keine Rache wollen!“

Immer und immer wieder müssen sich Femininst*innen von in ihrem Stolz verletzten Männern anhören, dass der Feminismus längst nicht mehr realitätsnah und gesellschaftsaktuell sei, dass Frauen doch bereits Rechte hätten. Mit Grundrechten (dazu oft nicht einmal dies aus globalem Winkel betrachtet) ist es jedoch noch lange nicht getan, um sich auf Augenhöhe zu treffen. Bei all den Menschenrechtsverletzungen und Erniedrigungen, denen Frauen seit Jahren durch das Patriarchat ausgesetzt sind, sollte man(-n) sich eher glücklich schätzen, dass von Rache bisher nicht die Rede war.

 

„ACHTUNG! Der Machismo ist TÖDLICH! CUIDADO! El machismo MATA!“

Tausende von Femiziden beweisen: Der Machismus ist mehr als nur der ,Machismus’. Mehr als der typisch männliche Stolz, den wir kennen. Mehr als das damit verbundene Patriarchat und das Überlegenheitsgefühl. Der Machismus ist Gewalt. Er ist Gewalt, Schmerz und Hass. Der Machismus bringt Menschen um, er ist tödlich! Und das dürfen wir nicht länger unterschätzen.

 

„Wir müssen über Cis-Männlichkeit und Morden sprechen! #Hanau #Halle #Kassel #Femizide“

Zwischen Ermordungen und Cis-Männlichkeit besteht ein Zusammenhang, welcher sich nicht länger leugnen lässt. Es wird Zeit das Konzept von Männlichkeit, wie man es in der Gesellschaft kennt, zu hinterfragen, kritisieren, abzubauen und neu zu erfinden. Denn am Ende des Tages handelt es sich bei den Tätern nicht um irgendwelche psychisch labile Einzelpersonen, welche zum falschen Zeitpunkt eine Waffe zur Hand hatten. Hinter Hanau, Halle und Kassel steckt das System der weiß-dominierten Gesellschaft sowie hinter Femiziden das Patriarchat steckt. Und es wird Zeit diese Dinge zu realisieren und miteinander zu verknüpfen, damit uns ein Diskurs-Wechsel endlich gelingen kann.

 

„Por mis hermanas ecuatorianas – Ni una menos“
„Für meine ecuadorianischen Schwestern – Keine weniger!“

„Ni una menos“ stammt aus dem lateinamerikanischen Raum und setzt ein Zeichen gegen die hohe Anzahl an Femiziden dort. 2017 hat Ecuador von Anfang des Jahres bis September bereits 112 Frauenmorde verzeichnet. Das sind 112 zu viele. Solidarische Frauen im lateinamerikanischen Raum schreien dementgegen: „Nicht eine weniger!“ und machen somit klar, dass die Femizide ein Ende haben müssen und sie nicht eine weitere Schwester an sexistischer Gewalt verlieren dürfen.

Passend dazu das Schild was zufällig daneben hochgehalten wurde: „Niemals werden sie den Trost unserer Stille haben!“

 

© Nila Kadi