I am a migrant kid, but me.

Frustriert und die ganze Zeit in einem inneren Zwiespalt gebunden, kann ich erst nach jahrelanger Erfahrung von Demütigung und Fremdzuschreibung das Phänomen benennen: Rassismus. Yay, Rassismus – ach ja und 2. Generation.
Ja, und jetzt? Wer bin ich jetzt nach dieser Erkenntnis und wer war ich vor dieser?

Ich bin Phu, die* Rassismus unterworfen und davon betroffen ist, und gleichzeitig diese rassistischen Strukturen internalisiert hat. Über die Jahre habe ich mich geweigert vietnamesisch zu sprechen und es zu lernen – fühle mich doch zwiegespalten: muss mich doch anpassen, Mama und Papa! Personalisiere meine Abneigung und schäme mich, bin sauer warum wir kein anderes Leben führen können.

Denke mir, so viel Gewalt, zu unrecht. So viel Gewalt zu Hause, zu unrecht. Koloniale Strukturen aus dem Westen sind Schuld daran, weil das lernt man schon anders, wenn man kolonialisiert wird: körperliche Gewalt, strukturelle Gewalt, willkürliches Rechtssystem, ungerechtfertigte Hierarchie, Armut, ums Leben arbeiten, Überlebensdrang.

Ich bin Phu, die* sensibel, selbstkritisch, wählerisch, emphatisch und kreativ ist.

Ich bin Phu, und bin sauer und unendlich traurig, dass meine Eltern ein beschissenes Leben führen müssen. Ich wünschte ich könnte ihnen ein richtig tolles Leben machen, das sie aus ganzem Herzen verdienen.

Wie soll ich ihnen erklären, dass ich AntiRa-Arbeit mache, damit wir ein schönes Leben haben können? Dass meine Motivation ihre Sicherheit ist?

Ich bin Phu und trage innere Schuld, ihren Erwartungen nicht entsprechen zu können. Denn ja ich bin Phu und in einer privilegierten Position, weil ich es mir aussuchen kann ob ich Elitär-Studi werden will oder nicht, weil ich die scheiß Sprache beherrsche.

 

Sie wünschen mir

Sie wünschen mir ein Leben abseits prekärer Umstände, aber das Leben, was sie mir geschenkt haben, ist kein schlechtes und sie tragen für gar nichts Schuld.

Nach einem Jahr sich selbstbewusst mit Phu vorstellend, bin ich wieder zurück zu Hause: Hier bin ich Phuong und ich wünschte mein vietnamesisch wäre so gut, dass ich ihnen das alles sagen kann. Dass es mein Herz zerbricht, wenn ich sehe, wie sehr sie sich schämen und fertig machen.

 

elitäre Kommunist*innen mit Nike Style

Und dann sitze ich im Raum mit weißen elitären Kommunist*innen: ich bin stolz ein Arbeiter*innen-Kind zu sein und niemand* kann mir das nehmen. Aber beschissen habe ich mich schon in dem Raum gefühlt.
Ihr kotzt mich alle an mit eurer akademischen Sprache, eurem Nike Style und eurer komischen weiß-zentrierten politischen Einstellung. Was ist besser: die dominierte Sprache im Land nicht sprechen zu können und viele schlimme Sachen nicht verstehen zu müssen, sich dafür aber nicht wehren können ODER die Sprache zu beherrschen, rassistische Aussagen von allen Seiten, wirklich allen, tagtäglich zu hören und aushalten zu müssen und mundtot gemacht zu werden? Es ist ein Trauerspiel und kein mensch hat diese Ungerechtigkeit verdient.

Ich bin Phu, und will endlich selbstbestimmt leben können – will dass es alle tun können. Will mein Bruder empowern und ihm ein awaress Umfeld schaffen – ich weiß ja wie es ist, Rassismus in „Freund*innen-Kreisen“ zu erleben. Will meiner Schwester unterstützen ihr Kind mutig und empowernd zu erziehen, progressive Kinderbücher entdecken und selber welche machen. Will zur Hilfe kommen, wenn Racial Profiling stattfindet und jedem Bullen ein bis 50 Mal in die Fresse schlagen. Will Beamt*innen in Behörden-Einrichtungen ins Gesicht spucken, weil die immer schreien müssen. Denke mir „Junge kannst du nicht normal reden oder warum fängst du immer an gestikulieren und pantomin-artige Bewegungen zu machen?“ – meine Fresse.

Will dass Menschen sich wehren können.

Weine für alle und will kämpfen für alle.

Menschen die Identität und die Selbstbestimmung (darin) zu nehmen, schließt darauf hin, dass mensch Menschen besitzen kann, aber Eigentum ist Diebstahl und damit eine Straftat und Kapitalismus ist scheiße.

 

Bild: Carlos Solares CC


Wir sind aus dem Norden, Süden, Osten, Westen; migrantisch, deutsch, mit und ohne Integrationshintergrund, antirassistisch, jung, künstlerisch, politisch, neugierig und selbstbewusst.

We are from the north, the south, the east, and the west. We are migrants, we are German, some of us have the experience of “integrating”, some of us do not. We are anti-racist, young, creative, political, curious and confident.


DIESER BLOG IST EIN PROJEKT DER ROSA-LUXEMBURG-STIFTUNG

Rosa Luxemburger Logo

Partnerblogs:

Privacy Preference Center