Ist das K-Pop oder kann das weg? K-Pop und K-Aneignung

K-Pop, also Popmusik aus (Süd-) Korea, ist mittlerweile ein weltweit besprochenes Phänomen. Aber darf auch jeder mitmachen?! Diese Frage wird im Internet kontrovers diskutiert.


 

 

 

 

Was ist eigentlich K-Pop?

K-Pop ist ein Musik Genre, entstanden in den 1990er Jahren in Korea, mit US-amerikanischen und japanischen Einflüssen. Gesungen wird auf koreanisch mit englischen Wörtern oder Sätzen zwischendrin. K-pop ist mittlerweile ein weltweit besprochenes Thema und super populär. So hat z.B. ein Musikvideo einer der bekanntesten Bands, BTS, ca. 835 Mio. Klicks. Die meisten koreanischen Künstler*innen durchlaufen einen intensiven Trainingsprozess. Sie werden von großen Musikfirmen gemanaged, die sie schon in jungen Jahren – vor ihrem Debüt in die K-Pop Welt – trainieren. Deshalb ist der durchschnittliche K-Pop Star in der Lage unglaubliche Choreografien zu tanzen, jeden Ton tadellos zu treffen und dabei von Kopf bis Fuß makellos auszusehen. Nennenswert ist auch der genderfluide Fashionstyle, der in K-Pop oft vorzufinden ist. Besonders die Boy Bands tragen oft nicht-geschlechtsspezifische Kleidung und „verwischen“ die Grenzen zwischen Röcken und Hosen sowie Frauen- und Männerkleidung. Sie tragen Make-up und wechseln häufig ihre Haarfarbe. Hinzu kommen die einzigartigen und teuer produzierten Musikvideos mit unglaublichen Choreografien.

 

Exp Edition ist eine dieser K-Pop Bands, mit dem großen Unterschied, dass sie nur aus nicht-koreanischen Mitgliedern besteht. Das Projekt wurde von Bora Kim ins Leben gerufen, die sich als Koreanerin selbst die Frage stellt: Ist es nur K-Pop, wenn Koreaner*innen es machen? Wie kann sich K-Pop weiter entwickeln? Welche Grenzen gibt es?  Indem sie die Band selber zusammenstellte, machte sie dieses Experiment zum Thema ihrer Diplomarbeit an der renommierten Columbia University in New York. Exp Edition wurde demnach nicht von einer der großen Musikmajors gecastet und produziert. Wo die meisten K-Pop Künstler*innen mehrere Jahre trainieren, erhielten die vier männlichen Mitglieder von Exp Edition nur wenige Monate Ausbildung. Zur Band gehören: Hunter aus New York, der portugiesische Frankie, auch aus New York, Sime aus Kroatien und Koki der halb Japanisch und halb Deutsch ist. Koreanisch lernten sie von Bora selbst und geschrieben wurden ihre Songs von einer Musikproduzentin und Freundin von Bora. Die Songtexte übersetzte Bora dann ins Koreanische, das Ganze nannte sie einen sehr „DIY“ ähnlichen Prozess. Was in 2015 in New York als ein Experiment gestartet ist, endete 2017 in Korea als ‚richtige‘ K-Pop Band.

 

Wo liegt eigentlich das Problem?

 

Als die Band nun 2017 ihr offizielles Debüt hatte, gab es viel Kritik. Es hieß, Exp Edition habe kulturelle Aneignung begangen. Interessant dabei ist, dass diese Anschuldigung hauptsächlich von Seiten der internationalen Fans kam und bis heute kommt. Die koreanischen Fans selbst scheinen damit kein großes Problem zu haben.

 

Was bedeutet kulturelle Aneignung eigentlich?

 

Kulturelle Aneignung bedeutet, dass Menschen aus dominanten Gesellschaftsgruppen beispielsweise Frisuren, Kleidungsstücke, Accessoire oder markante Slangs aus einer unterdrückten/ausgeschlossenen Kultur zu ihrem eigenen Nutzen übernehmen, ohne dabei den Wert der jeweiligen Kultur zu respektieren. Ein Beispiel dafür ist, wenn sich weiße Menschen ihre Hautfarbe zu Unterhaltungszwecken (Karneval, Theater ect.) dunkler färben oder Dreadlocks tragen. Dabei ignorieren dominante Gesellschaftsgruppen, dass Schwarze Menschen ihre Hautfarbe oder Haarstruktur nicht nach Belieben auf- und absetzen können und vielerorts mit rassistischen Anfeindungen und strukturellem Rassismus konfrontiert sind. Oft sind dies auch Symbole des Widerstandes gegen die Unterdrückung, die andere sich dann einfach zu eigen machen und damit aus dem politischen Kontext reißen.

 

Hat Exp Edition nun kulturelle Aneignung begangen?

 

Da K-Pop keine traditionell koreanischen Einflüsse hat, weder in Bezug auf Musik noch auf Fashion, sondern selbst schon ein Hybrid ist, inspiriert von US-amerikanischer und japanischer Musik, kann man sie meines Erachtens der kulturellen Aneignung nicht beschuldigen. Natürlich gibt es gewisse Vorurteile gegenüber Asiaten, aber zumindest im Verhältnis zur westlichen Welt kann man Südkorea kaum als unterdrücktes Land bezeichnen.

Das Paradoxe an der Sache ist, dass der Wunsch nach kultureller Authentizität von Seiten der internationalen Fans so groß ist, dass sie versuchen, den K-Pop Künstler*innen, diese von außen aufzuzwingen. Das wiederum ist eine kulturelle Aneignung des „authentischen Koreanisch-seins“ aus westlicher Perspektive. Man könnte fast sagen: Es ist eine kulturelle Aneignung, die behauptet, gegen kulturelle Aneignung zu sein. Besonders internationale Fans scheinen das Bedürfnis zu haben, K-Pop zu „beschützen“, auch wenn das nicht ihre Aufgabe ist. Sie sehen K-pop als ihr Eigentum an, auch wenn dies nicht der Fall ist. Liebe K-pop Fans, ihr habt nichts zu verlieren außer eure Vorurteile!

Bild: Wikimedia CC