Alltagsrassismus in der Schule

Rassismus tritt nicht immer glatzköpfig und mit Springerstiefeln auf. Erlisa hat Erzählungen von Freund*innen aus ganz Deutschland gesammelt, die über den Alltagsrassismus in der Schule berichten.

 

 

Die Schule als dunkles Versteck von Alltagsrassismus
Die Schule als ein Ort voll von Alltagsrassismus

 

 

Es gab sehr viele rassistische Vorfälle in meiner Kindheit. Früher war ich kleiner, dunkler und behaarter als heute. Meine Augenbrauen waren beispielsweise ungezupft, was viele ungewöhnlich fanden. Ständig fragte man mich „Was bist du?“, „Aus welchem Land kommst du?“. Als ich ihnen sagte, dass ich Kurdin sei, lachte man mich aus. Es vielen die üblichen Sprüche über Kurd*innen und die Tatsache, dass wir kein Land besitzen. So etwas finde ich unangebracht, vor allem an Schulen.

 

– Zeynep

 

 

In einer Klausur bekamen wir die Aufgabe, ein Problem zwischen einer Frau und ihrer älteren Mutter zu schlichten. Ich schrieb, dass egal was zwischen mir und meiner Mutter vorgefallen wäre, ich niemals auf die Idee gekommen wäre, sie zwanghaft in ein Altersheim zu stecken. Als ich mir die korrigierte Arbeit anschaute, las ich, dass meine Lehrerin kommentierte: „Das ist die afghanische Art und Weise einer Problemlösung.“

 

– Wessha

 

Meine Freunde und ich haben in der Grundschule Sport bei einem sehr rassistischen Lehrer gehabt. Meine Klasse bestand aus vielen Migranten und wenig Deutschen, worin wir jedoch kein Problem sahen. Als wir uns umziehen mussten, haben wir viel gelacht, wir waren ja schließlich noch Kinder. Darauf reagierte mein Lehrer sehr aggressiv- er verbat uns am Sportunterricht teilzunehmen und erlaubte uns nicht unsere Pause draußen zu verbringen.

 

-Abdi

 

Ein Klassenkamerad hat mich einmal als „verbrannte Kartoffel“ bezeichnet, nur weil ich aus Somalia komme. Dass wir in der dritten Klasse waren, entschuldigt sein Verhalten nicht.

 

-Leyla

 

 

Ich werde ständig gefragt, ob meine Familie bei der Mafia ist und ob wir mit Organen handeln würden. Hier werden Albaner meist auf solche Vorurteile reduziert.

 

-Gresa

 

 

Auf meinem Gymnasium bin ich eine der wenigen Migranten. Am deutlichsten wurde der Rassismus im Unterricht. Meine ausländischen Freunde und ich bemühten uns sehr mündlich auf dem selben Niveau wie alle anderen zu bleiben, wurden aber praktisch kaum von den Lehrern beachtet und nie drangenommen. Mittlerweile traut sich niemand mehr Fragen zu stellen, weil die Kommunikation zwischen den Deutschen und uns überhaupt nicht funktioniert.

 

-Dafina

 

 

Als ich meine letzten Noten vor den Abiprüfungen bekam wurde mir schnell klar, dass ich womöglich nicht bestehe. Daraufhin habe ich in einem ganz bestimmten Fach versucht meine Note zu verbessern. Ich war dazu bereit Facharbeiten zu schreiben und Präsentationen zu halten, das Einzige was mein Lehrer jedoch sagte war: „Wir sind hier nicht auf dem türkischem Basar“ .

 

-Ayse

 

Ich war zehn, als ich in die fünfte Klasse eines Gymnasiums kam. Wie jeder habe ich erwartet ganz viele neue Freunde kennenzulernen. Damals in der Grundschule waren wir relativ viele Migranten, deshalb war ich verwundert, auf einen See von Blondinen zu treffen. Ich dachte mir jedoch nicht viel dabei und unterhielt mich mit meinen Klassenkameraden. Alles war gut, bis meine Mutter mit eine der anderen deutschen Mütter sprach und einen grammatischen Fehler machte. Obwohl dies eigentlich total selbstverständlich für jemanden ist, der gerade erst gelernt hat die deutsche Sprache einigermaßen fließend zu beherrschen, reagierte ihre Gesprächspartnerin total arrogant und sagte: „So sprechen Sie das also aus?“. Mit der Zeit lernten sich alle Schüler mehr und mehr kennen, nur wir fünf Migranten blieben ohne Freunde und mussten die Pausen zusammen verbringen. Wir verbrachten sie nicht unbedingt zusammen, weil wir uns mochten, wir hatten nicht die Möglichkeit mit all den anderen Schülern frei zu kommunizieren. Ich wurde in den ersten Monaten zur Klassenbesten, trotzdem machte man sich über mich lustig und fragte, ob ich überhaupt meinen eigenen Namen fehlerfrei schreiben könnte. Als ich dann die beste Schülerin des Jahrgangs war, wurden einige Eltern unruhig, weil ihre Kinder nicht mithalten konnten. Ich war vor allem in Fremdsprachen gut, woraufhin man ohne uns Migranten einen Elternabend organisierte. Man diskutierte, wie sie in Zukunft mit mir vorgehen würden und die meisten verlangten, mich aus der Schule zu werfen, weil ihre Kinder angeblich depressive Symptome hätten. Hiervon erfuhr ich erst, nachdem ich nach Kosovo ausgewandert bin.

 

-Bleta

 

 

Als wir in der neunten Klasse Arabien und die Kreuzzüge behandelt haben, konnte ich an der Tafel ein Wort auf Arabisch nicht entschlüsseln, woraufhin meine Lehrerin sagte: „Tja, ist nicht mein Problem, was für dumme Wörter die Araber erfinden“.

 

-Ischra

 

Bild: Markus Sümnick CC