Niemandsland

Wo ist das Land, in dem wir frei sein können? In ihrem Gedicht Niemandsland zeigt unsere Poetry-Autorin Sanna, dass Heimat etwas ist, das in der Zukunft liegt und es auf uns, unsere Fantasie und Solidarität ankommt, sie zu erschaffen.

 

Berglandschaft im Bbendlicht hinter Stacheldraht
Was hält uns ab vom Niemandsland?

 

Niemandsland

 

Mein Land

Und dein Land

Kein Land.

Mein Verstand

spielt mir einen Streich

streicht die Wände bunt

statt weiß

Irgendwo

War da was

Eine Idee

Aus dem Nichts

Ich sag

Lass uns gemeinsam

Ein Niemandsland gründen

Aus dem Nichts

Weil nichts alles sein kann

Wenn du willst

 

Lass uns gemeinsam

Ein Niemandsland gründen

Mit einem Du & einem Ich

Und kein Land in Sicht

Was heißt schon Eigentum

Eigentümlich etwas

Haben wollen

Und nicht mehr hergeben

Wenn wir wollen sollen

Lassen wir uns nicht betrügen

Und wenn meine Erinnerung mich trügen

Lass uns nicht lügen

Lass uns abhauen irgendwo

Wo niemand schläft

Und jeder träumt

Nein das ist keine Träumerei

Und wir sind auch nicht allein

Da wo keiner auf uns wacht

Und doch jeder aufpasst

Ja ich gebe darauf acht

achtsam zu sein

indem ich nicht schweig

sag bist du dabei?

Das ist keine Träumerei

Und du schweigst

Sagst ich fantasiere

ich moralisiere

ich träume

aber nein

hör mir zu

träume können fliegen

wenn wir nur aufhören würden

zu schlafen

 

Also schau mich an

ich bin wach

schau mir in die Augen

während ich bleibe

um zu gehen

Ist das nicht rational?

eine rationale Konsequenz, wenn alle gleich und Gleichheit für alle

heißt das nicht für alle das Gleiche und das gleich für alle?

Und wenn Geld nicht alles ist

warum fällt es uns so schwer?

Und wenn das Geld nicht reicht

Warum beschaffen wir uns nicht mehr?

So wie Bomben und Waffen

Das können wir ja auch schaffen

Und sogar liefern

Wenn wir das lassen

Könnten wir sogar Lieferkosten sparen

Neues Sparpacket

Und der Bonus wäre: Menschen könnten weiter leben

Menschen könnten leben

So wie du & ich

 

Sag bist du dabei?

Wenn wir fliegen

Ohne Flügel

Ohne Fallen

Wo wir schweben

Überall

Übers All

Übers Niemandsland

Und hoch hinaus

Und das wäre ein Niemandsland

Wo niemand recht behält

Und niemand vergessen wird

Lass uns hier in Gedanken tauchen

Wir müssen hier nichts rauchen

Um zu flüchten

Keiner müsste flüchten

Nein,

Wir könnten zusammen

Kollektive errichten

 

Lass uns wählen

Wenn wir es wirklich können

Wenn wir es wirklich fühlen

Lass uns eine Zukunft bauen

Ohne Rechts und ohne Verlust

Ohne Schmerz und ohne Frust

Eine Zukunft mit bunt statt braun

Mit Weisheit statt bloßem Wissen

Ohne Egoismus und Faschisten

Mit dir und mir

Und einem Entscheiden

Nach Menschlichkeit

Auch wenn‘s kein Entscheiden ist

Weils an Menschlichkeit fehlt

Und hier bricht‘s

 

Aber das ist ja auch kein Niemandsland

aber

irgendwann,

irgendwann

schaffen wir uns

ein Niemandsland

und wenn das nicht klappt

zumindest ein

für-jeden-Land

und bis dahin

gehen wir wählen

bis wir uns

dafür entscheiden.

 

 

Bild: Juchem1 CC

Sanna Hübsch

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